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LOVERS story - Trauringe von Ulrike Ramin


Das ist der Moment: Die Ja-Worte wurden
gesprochen, das Paar steht sich zugewandt
gegenüber, Familie und Freunde sind
gerührt und gebannt.

Die Ringe finden zum ersten Mal ihren
Platz auf den Fingern der frisch
vermählten Eheleute. Passen sie? Was
heißt eigentlich passen, was bedeuten die
Ringe, wenn sie getragen werden, im
Alltag, zu besonderen Anlässe...oder wenn
sie nicht getragen werden oder sogar
verloren gehen? Was symbolisieren Ringe?

Ulrike Ramin hat für uns unsere Eheringe entwickelt. 


Schmuck soll schmücken,
könnte man sagen und dafür braucht es
einen besonderen Blick. Er sollte
denjenigen schmücken, der ihn trägt. Der
Schmuck sollte etwas mit dem Träger zu
tun haben. Er sollte ihm passen, zum
Träger passen. Aber was heißt das, was
ist mit Schmücken gemeint?

Der Schmuck bündelt und präzisiert. Er
führt bestimmte Züge zusammen und bildet,
würde ein Parfümeur wohl sagen, eine Art
Kopfnote. Es handelt sich dabei nicht um
eine Übertreibung. Trotzdem bringt der
passende Ring am Finger etwas auf den
Punkt. Er betont einen bestimmten Zug.

Wenn zwei Menschen ihre Partnerschaft in
eine Ehe überführen, steigt die
Komplexität. Die Ringe am Finger sollen
nicht nur zu jedem einzelnen Partner
passen, sondern auch irgendetwas mit der
Partnerschaft, mit dem gemeinsamen Sein
zu tun haben.

Wie trifft man diesen Punkt und überführt
ihn in eine Form aus Metall?

Mit diesen Fragen und Gedanken sind wir
zu Ulrike gekommen. Im Gespräch entstand
eine erste Skizze: Die Ringe sollten
nicht optisch identisch sein, denn das
sind wir auch nicht. Sie sollten aber 
eine gemeinsame Basis haben, denn die ist
es, die uns zusammenführt und zusammenhält.

Was macht dann ein guter Goldschmied? Er
schaut sich seine Kunden an. Er schaut,
was zu ihnen passt. Handwerk, Intuition,
Menschenkenntnis. Wir kamen zum Gold und
aus dem Gold ergab sich eine gemeinsame
Formidee. Rotgold, sagte Ulrike, würde
gut zu meiner Frau passen. Es ist
weicher, durch den Kupferanteil. Es ist
wärmer. Meine Frau kann eine ziemliche
Kämpferin sein und deshalb gefiel uns der
Gedanke. Der Ring, die Form, das Material
als persönliche Herausforderung. Für mich
fanden wir das Weißgold. Es ist hart,
erinnert eher an Stahl, ist aber edler
und tief und gleichzeitig warm. Meine
Herausforderung. Es gibt mir Gewicht und
Ruhe. Ich ruhe in mir.

Das Gold als gemeinsamer Stoff gab auch
den Gedanken für die Form vor. Gemeinsam
sollten die Ringe eine Einheit bilden und
gleichzeitig für sich schön sein. Sie
sollten eine Grenze ziehen, Schutz nach
Außen, Geborgenheit nach Innen. Also ist
der Ring meiner Frau nach Innen rund.
Meiner ist es nach Außen. Die Äußere Form
ihres Rings entspricht meiner inneren:
eine fließende Bewegung, die nicht
perfekt rund ist, sondern sich an drei
Stellen fast wie zu einem Dreieck
ausdehnt. Wenn wir sie aufeinander legen,
dann versinkt ihr Ring leicht in meinem.
Ihr Außen ist Formgrenze, ihr Innen
ist die Verbindung.

 

Mit diesen Gedanken haben wir den Prozess
begonnen. Ulrike hat uns an verschiedenen
Stellen die Zwischenergebnisse gezeigt,
wie die Wachsmodelle vor dem Gießen. Wir
haben, bis auf die Ringgröße nichts
verändert. Wir haben uns von Ulrike
führen lassen und alle Entscheidungen
intuitiv getroffen.

 


Nach dem Gießen gab es erste Fotos von den Ringen
aus dem Formwerk in Kopenhagen. Die Ringe
selbst kamen schließlich per Post in
meine alte Heimatstadt, wo wir uns
standesamtlich getraut haben. Probiert
haben wir sie vor der Trauung nicht.
Selbst das Auspacken haben wir uns für
den finalen Moment aufgehoben. Die kleine
braune Box, in der Ulrike sie verpackt
hatte, übergaben wir dem Standesbeamten.
Ich rechnete schon damit, sie kurz nach
dem Ja-Wort aufzumachen. Als wir den Saal
betraten, lagen sie jedoch schon auf
einem kleinen Tablett vor uns auf dem
Tisch. Wir konnten sie sehen, sie jedoch
nicht anfassen. Ein spannender Moment.
Der Ring meiner Frau: rötlich golden und
fein. Mein Ring: massiv und hell golden.

Seit dem Ja-Wort verbinden sich unsere
Ringe mit unserem Leben und sie verbinden
uns. Wenn ich meine Frau anschaue und den
Ring an ihr erblicke, denn bündelt er
ihre Schönheit. Er betont eine Seite, das
zarte, filigrane, rötliche vor dem
Hintergrund des Goldenen. Das gibt mir
jedes Mal einen wohligen Stich ins Herz.
Er ruht an ihrer linken Hand. Wenn mein
Blick über ihr Gesicht an ihrem
Körper zum Ring wandert, dann wirkt er, obwohl
er nicht symmetrisch in der Köpermitte
seinen Platz hat, zentral und wie im
goldenen Schnitt. 

Mein Ring wiegt schwer. Er gibt mir Ruhe
und Zuversicht. Er erinnert mich an meine
edlen und strahlenden Seiten. Ich lächle,
wenn mir Freunde sagen, er stehe mir.
Denn dann fühle ich mich gesehen und
freue mich auf die Seite, die er in mir
betont und hervorbringt.

Was ist eigentlich ein Goldschmied?
Besteht seine Arbeit allein darin, einen
runden Ring zu gießen und zu polieren?
Ulrike sehe ich als eine Beraterin in
einem Prozess, in dem die eigene
Schönheit gesucht und gefunden wird –
auch wenn das eine neue Seite sein
sollte. Schmuck hat auch etwas mit Mut zu
tun. Er gibt, sehr pointiert, ein Gewand,
wie man es sonst von einem gut sitzenden
Kleidungsstück gewohnt ist. Ulrike
übersetzt das Ergebnis der Suche nach der
eigenen Schönheit in eine Form und in ein
Material und gibt ihm eine dauerhafte
edle Ausdrucksform. Und meine Frau und
mich halten ihre Ringe in einer
lebendigen Spannung zueinander, jeden für
sich, gemeinsam, jeden Tag